Es ist gängige Praxis sich zum besseren Kennenlernen auf ein Praktikum zu einigen. Dies hilft beiden Seiten bei der Beurteilung ob ein späteres Ausbildungs-/ bzw. Arbeitsverhältnis die richtige Entscheidung darstellt. Bei Betrieben die schon lange existieren und alljährlich Ausbildungsplätze anbieten, schleicht sich kaum merkbar jedoch ein kleiner aber entscheidender Denkfehler ein. Oft wird das Anliegen von interessierten jungen Menschen, einen Beruf kennenzulernen, vergessen und die oft hohe Motivation von Praktikanten wird abgerufen für unliebsame Tätigkeiten. Diese Tätigkeiten müssen selbstverständlich erledigt werden und auch Praktikanten müssen kein geschöntes Bild der anfallenden Aufgaben bekommen. Wenn jedoch der erste Praktikumstag aus vollen 8 Stunden Putzen oder Zerkleinern von Kartonagen besteht, läuft in diesem Betrieb etwas gänzlich falsch.
Praktikanten verdienen in der Regel kein Geld und bringen dem Betrieb über ihren Tätigkeitszeitraum entsprechend, trotz Einarbeitungszeit, 100% Leistung entgegen und erhalten im Gegenzug dafür einen Einblick in das zu erlernende Berufsfeld. Nutzt ein Betrieb diese Bereitschaft der Mitarbeit und das Interesse einfach aus und gewährt dabei dem jungen Menschen nicht einmal alle Arbeitsbereiche zu durchlaufen, geschweige denn den eigenen Wissensdurst zu stillen, handelt es sich bei dieser Unternehmung um kein Praktikum sondern um lupenreine Ausbeutung. Diese Begrifflichkeit wirkt vielleicht auf den ersten Blick einwenig harsch, jedoch sollte sich der Unternehmer noch einmal vor Augen führen dass Praktikanten oft 40 Stunden die Woche arbeiten. Es wäre auch schon ein wirtschaftlicher Erfolg wenn die Praktikanten, abgezogen von der Einarbeitungszeit, wöchentlich nur eine Stunde gewinnbringend für den Betrieb arbeiten würden.
Praktikanten auszunutzen um Geld einzusparen ist eine Milchmädchenrechnung, da so nicht nur das betriebliche Image erheblichen Schaden nimmt, sondern weil auch das gesellschaftliche Arbeitsklima darunter leidet und das Vertrauen von Menschen ausgehöhlt wird.